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Versicherungen - die Entwicklung und Geschichte

Versicherung - Entwicklung und Geschichte

Versicherungen in Gegenwart und Vergangenheit

Geschichte der Versicherung
Versicherungen gibt es schon länger als unsere Zeitrechnung. Sowohl in China, wie auch im alten Babylon gab es knapp 4000 v. Chr. schon die ersten Vorläufer von Versicherungen. So ließ der einst in Babylon herrschenden König Hammurabi in seinem  Gesetzbuch unter anderem folgende Gesetze niederschreiben: "Wird beim Einsturz Eigentum zerstört, so stelle der Baumeister wieder her, was immer zerstört wurde; weil er das Haus nicht fest genug baute, baue er es auf eigene Kosten wieder auf." Und  weiter heißt es: "Wenn ein Baumeister ein Haus baut und macht die Konstruktion nicht stark genug, so dass eine Wand einstürzt, dann soll er sie auf eigene Kosten verstärkt wieder aufbauen." Diese Stellen sind erste Beweise einer Haftpflichtversicherung  längst vergangener Zeiten.




Versicherungen in der Antike

Aber auch in der Antike waren Versicherungen vorhanden. Händler und Kaufleute bildeten sogenannte Gefahrengemeinschaften und zahlten Beiträge in  einen gemeinsamen Topf. Wurde einem Mitglied durch Raub oder Verlust der Handelsschiffe die Lebensgrundlage  genommen, konnte dem Beschädigten aus der Gemeinschaftskasse eine neue Lebensgrundlage ermöglicht werden. Im alten Rom entstand ungefähr  zur gleichen Zeit die erste Sterbekasse, die sogenannte "collegia funeratica". Da Bestattungen eine kostspielige  Angelegenheit waren, die viele Römer nicht aufbringen konnten, wurden große Grabkammern (columbarium) angelegt, die viele tausend Plätze  für Urnen bereithielten. Durch einen regelmäßigen Beitrag in die gemeinsame Sterbekasse konnten  sich auch die weniger privilegierten Teile der Bevölkerung ein Begräbnis in einer Grabanlage leisten.
Im Mittelalter gab es in Europa zu der Zeit Karl des Großen besondere Gemeinschaften - die Gilden. Diese waren ein freiwilliger Zusammenschluss von Personen, die sich mit einem Eid Zusammenhalt schworen; zum Schutz und zur gegenseitigen Hilfeleistung   bei eintretendem Unheil. Diese Gilden finden Erwähnung in einem Gesetz Karl des Großen, dem Capitular von 779, in dem er den Gildeneid verbot: "Über die Eide, durch welche die Gildebrüder sich gegenseitig verpflichten, dass niemand herausnehme,   die zu leisten. Andererseits, selbst wenn sie in der Tat über ihre Almosen - entweder bei Feuersbrünsten oder bei Schiffbruch - ein Übereinkommen treffen, dass niemand sich herausnehme, für diesen Zweck zu schwören."

Ab dem 13. Jahrhundert entstand der Leibrentenkauf, ein erster Vorreiter der Lebens-versicherung. Dieser Vertrag gewährte bei Bereitstellung von Kapital oder auch Übereignung von Land eine lebens-lange Rente. Diese Leibrenten vergaben zunächst   Klöster und Städte. Später übernahmen spezielle Leibrenten-banken diese Aufgabe.

Weiterhin sind verschiedene Seeversicherungsverträge aus dem 14. Jahrhundert bis heute erhalten geblieben. Hier wurde schriftlich festgehalten, dass im Falle eines Verlustes von Schiff oder Ware, der vorher vereinbarte Kaufpreis aus einem gemeinsamen   Versicherungstopf erstattet wird. Auch ein englischer Seeversicherungsvertrag, der 1512 in London unterzeichnet wurde, beweist das Vorhandensein dieser Versicherungen zum Ende des Mittelalters und Beginn der Neuzeit.



Versicherungen  in der Neuzeit

Mit Beginn der Neuzeit entwickeln sich die Versicherungen immer weiter. Die Furcht der Menschen, ihr Hab und Gut durch einen Brand zu verlieren, führte zu der  Entstehung sogenannter Brandgilden. Die Häuser bestanden größtenteils aus Holz und diese waren im Brandfall stark gefährdet in Schutt und Asche zu zerfallen. Eine der ersten Brandgilden entstand 1537 in Süderau in Schleswig-Holstein und  sie hinterließ ein Satzungswerk, welches die erste Feuerversicherung der Neuzeit dokumentiert. Durch viele Brände in Hamburg entstand wenig später der erste Hamburger Feuerkontrakt. Die Hausbesitzer der Stadt verpflichteten sich 1591, jedem Mitglied,  das bei einem Brand ihr Eigentum verliert, je zehn Reichstaler zu zahlen, damit dieser innerhalb eines festgelegten Zeitraum von einem Jahr das zerstörte Gebäude wieder errichten konnte. 1666 gab es den größten Brand in der Geschichte Londons,  der mehr als 13.000 Gebäude vernichtete und auch in England Feuerversicherungen zum Thema machte. 1676 wurden die verschiedenen Hamburger Feuerkontrakte in der Hamburger Feuerkasse vereint. Sie ist das älteste heute noch bestehende Versicherungs-unternehmen  der Welt.

Nun schreitet die Entwicklung der Versicherungen schnell voran. 1680 fordert der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz die Einrichtung von Versicherungsanstalten nach dem Vorbild der Hamburger Feuerkasse in ganz Deutschland und in England entsteht das erste  „Fire Office“ (engl.: Feuerbüro) zur Versicherung von Gebäuden auf kaufmännischer Grundlage.
Während des 18. Jahrhunderts entwickeln sich verschiedene Sterbe-, Witwen-, Kranken- und Heiratskassen, die allerdings größtenteils aufgrund mathematischer Unkenntnis scheiterten.
Das erste deutsche Seeversicherungsgesetz (Hamburger Assekuranz-  und Haverei-Ordnung) wird beschlossen, die ersten deutschen Versicherungs-Aktiengesellschaften zum Betrieb der Transport- und Mobiliar-Feuerversicherung werden in Hamburg und Berlin eröffnet und eine erste deutsche Hagelversicherungsgesellschaft entsteht  in Mecklenburg.

Im 19. Jahrhundert wird in Deutschland dann die Gothaer Feuerversicherungsbank gegründet. Aus ihr entwickelte sich 1827 die Gothaer Lebensversicherungsbank, der erste deutsche Lebensversicherer. In Deutschland werden außerdem die ersten nachweisbaren  deutschen Rück-versicherungs-verträge abgeschlossen, die erste Rentenversicherung auf kaufmännischer Grundlage wird gegründet und sogar eine Eisenbahn-Unfallversicherung entsteht. Hinzu-kommen die Maschinenversicherung, die Glasversicherung  und die Kapital bildenden Lebensversicherungen. 1875 gründet Carl Gottlob Molt die moderne Haftpflicht-versicherung und Carl Thieme errichtet 1880 die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.

Am Ende des 19. Jahrhunderts verabschiedete der deutsche Reichstag als erstes das Gesetz der gesetzlichen Krankenversicherung für Arbeiter, das am ersten Dezember 1884 in Kraft trat. Die Beiträge wurden aufgeteilt: zwei Drittel hatte der Arbeitnehmer  zu tragen und ein Drittel der Arbeiter selbst. Die Versicherung beinhaltete Krankengeld, ärztliche Behandlung, Medizin, Krankenhaus-behandlung, Mutterschaftshilfe und Sterbegeld. Die gesetzliche Unfall- und Rentenversicherung folgten und bildeten gemeinsam  die erste deutsche Sozialversicherung.

Das zwanzigste Jahrhundert beginnt mit einer Vielzahl neuer Versicherungen: Einbruch-dieb-stahl-versicherung, Kreditversicherung, Sturmversicherung, Karambolage-versicherung, Auto-mobil-Haftpflichtversicherung, Reisegepäckversicherung, private Krankenversicherungen  und viele mehr. 1923 kommt die Krise. Die Inflation hat ihren Höhepunkt erreicht und sorgt für zahl-reiche Fusionen von Versicherungsunternehmen. 1927 kommt aufgrund der schlechten Wirtschaft die Arbeitslosen-versicherung hinzu. 1939 wird in Deutschland  die gesetzliche Versicherungspflicht für Kraftfahrzeughalter eingeführt.
Dann wütet der zweite Weltkrieg. Mit seinem Ende wird in Deutschland in der Sowjetischen Besatzungszone ein Verbot der Weiterarbeit der bestehenden deutschen Versicherungen erlassen und stattdessen staatliche Versicherungsanstalten gegründet. Die  einstigen Versicherungen aus dem Osten Deutschlands verlagern ihre Hauptsitze in die westlichen Besatzungszonen. Das alliierte Kontroll-ratsgesetz Nr. 47 untersagt den deutschen Versicherungen zur gleichen Zeit jede Auslands-tätigkeit. Das Gesetz wird  erst 1950 wieder aufgehoben.

1957 gab es dann deutliche Veränderungen im Rentensystem. So wurde zum Beispiel eine frühe Form des Umlageverfahrens eingeführt und die Renten wurden dynamisch den Löhnen angepasst. 1968 war es dann soweit: das heutige Umlageverfahren entstand  und die eingezahlten Beiträge wurden direkt an die Rentner ausgezahlt. Der dramatische Geburtenrückgang seit Einführung der Anti-Baby-Pille und die höhere Lebenserwartung durch den Fortschritt der Medizin stellen bis heute eine Gefahr für  das Rentensystem dar. 1992 wurde das Renteneintrittsalter deshalb auf 65 Jahre angehoben. 2001 setzte die Bundesregierung eine Rentenreform durch und befürwortet seitdem den Abschluss einer privaten Altersvorsorge, die vom Staat finanziell unterstützt  wird: die Riesterrente.


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